Überhöhte Kosten bei Lichtwiesenbahn unnötig. Batteriebetriebene Elektrobusse wären bessere Alternative

Kürzlich gab es in der Stadtverordnetenversammlung noch mal eine heftige und lange Diskussion um die sogenannte Lichtwiesenbahn. Die Stadtregierung und die grün-schwarzen Fraktionen hatten versucht, das Parlament vor vollendete Tatsachen zu stellen und ziemlich lapidar mitgeteilt: Die Lichtwiesenbahn wird jetzt um 4. Millionen € teurer als geplant.

Statt lange mitzustreiten über kleine Anpassungen, nahm die AfD-Fraktion die Gelegenheit noch einmal wahr, eine technisch überlegene Alternative zu Straßenbahnen darzustellen, die noch dazu viel preiswerter wäre: Nämlich moderne batteriebetriebene Elektrobusse.

Vorgestellt wurde dieser Vorschlag durch die Rede des Stadtverordneten Professor Dr. Wolfgang Schöhl. Hier der Wortlaut seines geschriebenen Textes:

„Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

die AfD Fraktion steht dem Projekt nun Lichtwiesenbahn nach den jetzt bekannt gewordenen hohen Kostensteigerungen noch skeptischer gegenüber als zuvor.

Gerade wegen dieser Kostensteigerung – rund 4 Millionen allein für die Stadt Darmstadt – sollte dringend eine preiswertere Lösung gesucht werden. Zumal jeder gebaute Meter Kosten von rund 20.000 € verursacht. Für eine wesentlich preiswertere Lösung, die batteriebetriebenen Elektrobusse, gibt es diese Gründe:

Hier ein allgemeiner Grundsatz: Der Darmstädter Steuerzahler zahlt nicht nur Steuern an die Stadt, sondern auch an das Land Hessen und den Bund, welche die Lichtwiesenbahn mitfinanzieren. Und diese zusätzlichen Steuern werden in den Diskussionen des Stadtparlaments oft vergessen oder bewusst verschwiegen.

Es gibt außerdem rein technisch preiswertere und flexiblere Lösungen, die wir auch bei früheren Diskussionen schon erwähnt hatten: Batteriebetriebene Elektrobusse statt teurer Straßenbahnen. Wir möchten sie im Folgenden noch einmal etwas detaillierter erläutern. Vielleicht finden sie ja noch Eingang in eine überarbeitete Version der Nutzen-Kosten-Analyse der Stadtregierung, die leider immer noch nicht offengelegt worden ist.

Hier die technischen Gründe, warum batteriebetriebene Elektrobusse viel moderner und gleichzeitig preiswerter wären:

  1. Eine Straßenbahn braucht 1. fest verlegte Schienen und 2. fest verlegte Oberleitungen. Das ist ein enormer Platzverbrauch, und Platz hat Darmstadt zu wenig Platz, wenn man überlegt, dass es eigentlich viel zu wenig Bauland in unserer Stadt gibt. Außerdem müssten dann keine Bäume auf der Lichtwiese gefällt werden.
  2. Fest verlegte Schienen und Oberleitungen verursachen extrem hohe Kosten – vor allem Baukosten, aber später auch Instandhaltungskosten. Das kann man sehen, wenn man die Bauarbeiten der Heidelberger Straße verfolgt.
  3. Straßenbahnen sind in hohem Maße unflexibel. Wenn die Verkehrsströme sich ändern, so können Straßenbahnen sich nicht mit Ihnen ändern.
  4. Eine Technische Universität hat in der vorlesungsfreien Zeit ein wesentlich geringeres Verkehrsaufkommen als in der Vorlesungszeit. Dann liegen die Schienen und die Oberleitungen der Lichtwiese wenig genutzt herum und brauchen trotzdem Wartung.
    Batteriebetriebene Elektrobusse dagegen könnten in dieser Zeit flexibel auf anderen Routen eingesetzt werden, wo gerade Bedarf ist.
  5. Am Wochenende, wenn der SV 98 ein Heimspiel hat, könnten solche Busse Fußballfans an verschiedenen Orten in Darmstadt abholen und flexibel und direkt zum Böllenfalltor- Stadion fahren.
  6. Viele Städte haben damit begonnen, batteriebetriebene Busse einzusetzen. Ich nenne hier nur die Städte Hamburg und Köln oder in Holland Eindhoven. Sie haben vorgemacht, dass solchen Bussen die Zukunft gehört.
  7. Bei der Lichtwiese käme noch ihre günstige Lage für batteriebetriebene Busse hinzu. Am Böllenfalltor befindet das sogenannte Depot von Heag mobilo. Dort könnte man die Batterien der Busse schnell aufladen und nur rund einen Kilometer entfernt auf der Lichtwiese rasch wieder einsetzen.Nehmen wir das Beispiel Eindhoven in Holland: diese Stadt ist einer der Vorreiter bei der Umstellung auf Elektrobusse. Dort fahren bereits 43 große elektrische Gelenkbusse, die mit Batterien betrieben werden.
    Solche Busse könnten auch in Darmstadt jede normale Straße benutzen und daher zum Beispiel tagsüber im Berufsverkehr andere Routen fahren als nachts. Oder an Wochenenden andere Routen als an Werktagen.
    Heute im Zeitalter der Smartphones kann man sich auch solche veränderte Linienführung relativ schnell anzeigen lassen. Und das wird in der Zukunft noch viel besser gehen.
  8. Auch ökologisch sind batteriebetriebene Busse von Vorteil. Die Entega müsste sich nur bemühen, genügend Batteriekapazität am Böllenfalltor aufzubauen. Dies mit dem Ziel, in Zeiten wie nachts, wo der regenerative Strom aus Windrädern besonders billig ist, diesen zu speichern und dann damit tagsüber preiswert die Busse fahren zu lassen, wenn der Strom eher teuer ist.
    Das ganze System der Elektro-Pkws von Tesla zielt in diese Richtung. Man muss es bloß studieren und auf Darmstadt anpassen. Andere Städte haben schon begonnen, mit verschiedenen Techniken
  9. Batteriebetriebene Busse können als Gelenksbusse auch größere Fahrgastmengen befördern. In Spitzenzeiten fahren in Eindhoven bis zu 8 Elektrobusse auf einer Linie. Von der Mengenbeförderung sind sie also auch den Straßenbahnen nicht wesentlich unterlegen.
  10. Wer einmal rasch und etwas laienhaft beobachten will, wie das Publikum auf Berichte über die Einführung von batteriebetriebenen Bussen reagiert, der möge sich einen Bericht von „Bus-TV“ über die Busse in Eindhoven mal auf YouTube anschauen. (Hier der Link: Erfolgreicher Betrieb von Elektrobussen in Eindhoven)

Im Übrigen kann ja in Nutzenkostenanalysen auch leicht manipuliert werden. Besonders dann, wenn der angenommene Zinsfuß nicht veröffentlicht wird, wie dies bisher von der Stadtverwaltung gemacht wurde. Ich habe früher in der Weltbank in einem angewandten Forschungsprojekt über moderne Nutzen-Kosten-Analysen mitgewirkt, um solche Manipulation-Möglichkeiten zu verringern. Da konnte man die großen Auswirkungen des Zinsfußes auf das Nutzen-Kosten-Verhältnis studieren.Wer die Kosten für die Beschaffung von zusätzlichen Straßenbahnwagen kennt, weiß auch, dass diese überproportional hoch sind. Diese sind aber in die Projektkosten gar nicht einmal einbezogen worden, was die Nutzen-Kosten-Analyse erheblich entwertet. In einer neuen Nutzen-Kosten-Analyse hoffe ich, werden die Kosten für neu anzuschaffenden Straßenbahnwagen und die für batteriebetriebene Elektrobusse hoffentlich einmal einbezogen.

Schließlich kritisieren wir von der AfD, dass nach jetziger Konzeption die Straßenbahnschienen nicht einmal an die Odenwaldbahn angeschlossen sind. Nur das würde den Schienenverkehr auf der Lichtwiesenbahn wesentlich nützlicher machen.

In Eindhoven ist geplant, den gesamten Busverkehr auf batteriebetriebene Busse umzustellen. Auch in Hamburg und Köln sind batteriebetriebene Elektrobusse im Vormarsch.
Dem sollte sich nach Meinung der AfD Fraktion die Stadt Darmstadt anschließen als eine Stadt, die sich um moderne Techniken bemüht.

Aus all diesen Gründen kann die AfD-Fraktion der erheblichen Verteuerung der Lichtwiesenbahn und auch dem ganzen Projekt in der derzeitigen veralteten technischen Auslegung nicht zustimmen. Sie hofft aber, dass diese neuen Aspekte doch noch in die Planungen einbezogen werden.“

Was war das Fazit der langen Diskussion? Die rot-grünen Fraktionen haben sich mit einer Stimme eines Herrn aus der Fraktion Uffbasse, die später seinen Austritt aus der Fraktion bekannt gab, knapp gegen alle anderen Parteien durchgesetzt.
Dass die neuen Argumente der AfD-Fraktion noch wesentlichen Eingang in dieses überteuerte und technisch völlig veraltete Projekt Eingang finden werden, ist mehr als zweifelhaft. Bleibt nur zu hoffen, dass sie in späteren Verkehrsprojekten in Darmstadt Eingang finden.

 

 

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